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Biologisch artgerechte Rohfütterung

B.A.R.F stammt ursprünglich aus Amerika und bedeutet  Biologisch Artgerechte RohFütterung.
Hiermit versucht man, das Tier so artgerecht wie möglich zu ernähren.
In Zoos bei  Groß- und Kleinkatzen übrigens keine Debatte,
dort gibt es nur Fleisch.

Schauen Sie sich mal die Inhaltsstoffe von namenhaften Trockenfutter Herstellern an.
Tiermehl, in Deutschland in der BSE-Zeit für Nutztiere verboten,
aber wer isst in Deutschland schon Katze?
Was haben die vielen "Pflanzenöle" da drin zu suchen?
Braucht eine Katze nicht eigentlich tierische Fette?
Darf´s noch  vielleicht "Mais" sein? Vielleicht noch genmanipuliert?
Warum wurde in Nassfutter in den USA nachgewiesenermaßen ein Medikament zum Einschläfern von Hunden und Katzen gefunden?

Wir empfehlen zu diesem Thema die Lektüre :
 "Schwarzbuch Tierfutter - Katzen würden Mäuse kaufen"
von Hans-Ulrich Grimm
 ISBN 978-3-552-06049-4



Eine ausgewogene Rohfütterung reguliert die Verdauung.

Keine Sorge  um Salmonellen, Würmer, Bakterien und Viren.
Die Verdauung von Katzen und Hunden ist auf rohes Fleisch ausgerichtet.
Der Verdauungstrakt von Fleischfressern ist viel kürzer
als beispielsweise beim Menschen (Allesfresser).
Bei gesunden Tieren haben solche Krankheitserreger keine Chance,
da die Verdauung viel schneller funktioniert.
Auch ist die Magensäure viel aggressiver, als  beim Menschen.

 Hygiene bei der Fleischzubereitung:

Hände reinigen, ggf. Handschuhe verwenden
Arbeitsfläche und Zubehör gründlich reinigen, ggf. desinfizieren
Augen auf, bei der Fleischauswahl & Herkunft
  Fleisch mit kaltem Wasser abspülen
die zubereiteten Mahlzeiten sofort tiefkühlen

Katzen und Hunde sind bekanntermaßen Carnivoren, also Fleischfresser.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sie lediglich Fleisch fressen,
sondern eigentlich Beutetiere, bestehend aus :

  • Magen mit Mageninhalt (z.B. die letzte Mahlzeit einer Maus)
  • Gehirn
  • Herz
  • Leber 
  • Blut
  • Fett
  • Knochen
  • Haut & Fell
  • Wasser
  • Knorpel& Häute

Die Fütterung von Trockenfutter sollte entfallen.
Der Wassergehalt ist extrem gering im Trockenfutter,
die Katze kann aber gar nicht so viel trinken, wie es erforderlich wäre.
Die Gefahr von  Oxalat- oder Struvitsteine ist somit gegeben.
Zwar sind zwar Produkte am Markt, die den Harn ansäuern und somit Steinen vorbeugen sollen, trotzdem trinkt das Tier deswegen nicht die erforderliche Menge.
Werden die Nieren der Katze untersucht  und leicht erhöhte Werte festgestellt, sind oftmals schon 70% des Nierengewebes geschädigt.
Da sich Nieren nicht regenerieren können, kann man mit der Ernährung versuchen, das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

TIPP zur Futterumstellung zur Rohfütterung

Eine Futterumstellung sollte immer langsam und mit Geduld erfolgen.

Katzen können aufgrund ihrer ererbten „ Neophobie “ besonders heikel sein, wenn man ihnen bislang unbekanntes Futter vorsetzt.
Auch wenn Ihre Katze sich direkt begeistert auf das neue Futter stürzt,
ist eine langsame Vorgensweise zu empfehlen,
damit sich das Verdauungssystem  sich  an die hochwertige Nahrung
zu gewöhnen kann.
Zu Beginn bitte nur  einzelne Fleischstücke ohne Supplemente anbieten.



Beginnen mit einzelnen Mahlzeiten aus Rohfleisch,  Supplemente langsam hinzufügen.
Wird diese Fütterungsweise gut von der Katze aufgenommen werden,
sollten  bis zur vollständigen Umstellung auf Rohfleisch
ca. 14 Tage vergehen  und  die Rohfleischmenge langsam erhöht werden.

BITTE der Katze genügend Zeit lassen,  sich an natürliche Nahrung
zu gewöhnen, denn jede Futterumstellung
bedeutet für den Organismus Stress.
Durch das verstärkte Kauen, entwickeln Katzen
mitunter Muskelkater im Kieferbereich.

Futterumstellungen bei Umgebungswechsel, Unfall, Krankheit,
Trächtigkeit und Katzengeburten, sollten verhindert werden.

Bei Schwierigkeiten sich mit Rohfleisch anzufreuden, hier ein paar Tricks :

Fleisch in kleinen Mengen, zunächst sehr klein schneiden
oder mit dem Fleischwolf  zerkleinern und unter das bisherige Futter mischen,.
    Menge dann langsam  steigern, Stücke jedes Mal größer anbieten.
    Bei Erfolg frißt die Katze das rohe Fleisch pur.
Bei Verweigungen einfach wieder 1 Schritt zurück gehen,
das Mischungsverhältnis berücksichtigen und erneut starten.
Niemals schwach werden und das vorherige Futter pur verfüttern !

Fleischstücke mit Vitaminpaste oder Lieblingspaste einreiben.

Fleischstücke sind oft beliebt, wenn der Jagdtrieb gefördert wird,
also ruhig Mal ein Stückchen " werfen",
Beute wird bestimmt gerne erlegt.

Trockenfutter zerstampfen und damit Fleischstückchen " panieren",
wird gerne gefressen.

Fleischstücke beim zubereiten, zufällig auf den Boden fallen lassen,
doch Vorsicht, mitunter ist der Hund schneller als die Katze ...

Fleischstücke leicht mit Brühe übergießen oder auch anbraten,
sollte innen aber roh bleiben.


Abwechslung auf den Speiseplan bringen !

Frische Vielfalt:
Suppenhühner, Hühnerbrustfilet, Hühnerklein, Hühnerflügel,
Hühnermägen, Hühnerleber, Putenbrust, Lamm.
Kaninchen, Strauß, Ente,Gans, Fisch.

Schweinefleisch wird von uns nicht roh verfüttert,
da es die Gefahr des Aujeszkyerregers birgt,
auch wenn Deutschland als Aujeszky-frei gilt.
Dieser Virus, ein Herpesvirus,
kann bei Katzen die Pseudowut (Juckseuche) auslösen.
Die Symptome sind der Tollwut ähnlich.
Die Krankheit ist bei Katzen nicht behandelbar und führt immer zum Tod





Was kostet Barfen?

Beispiel:

Eine 400g Dose eines bekannten Futtermittelherstellers  kostet ca. 0,65EUR

keine gute Verdaulichkeit
enthält EU-Zusatzstoffe
Geschmacksverstärker, Konservierungsmitte
Zucker
 Ballaststoffen
 wenig Muskelfleisch.


Barfen im Vergleich :

Rezept für 16 Tage Futter für eine Katze.

1 Suppenhuhn á 1200g 
500g Hühnchenherzen  
500g Hühnchenmägen
56g Hühnchenleber
110g Wurzeln
10g Supplemente
1,34g Seealgenmehl
3,2g Fortain
17g Weizenkeimöl
0,73g Knochenmehl
5,75g Eierschale
5g Taurin


Der Preis für alle Zutaten beträgt ca. 9 Euro und reicht für 14 Tage aus.
Pro Katze täglich ca. 0.65 Euro.

Somit ernähren Sie Ihre Katze nicht nur preiswerter,
sondern  mit der biologisch artgerechten Rohfütterung
incl. hochwertige Proteine und Fette, gesünder.

Wichtig !
Abwechslungsreiche Ernährung für die Katze sollte erfolgen.

Jede Fleischsorte und auch Tierart enthält unterschiedliche Mengen
an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen.
Varieren Sie die Fleischsorten und Supplemente,
probieren Sie sich durch die Rezeptauswahl,
Ihr Stubentiger wird es Ihnen danken.





Beutetiere von Katzen enthalten um die 75% Wasser.


Unsere Stubentiger sind ursprünglich Wüstenbewohner,
der Wasserbedarf wird über die Nahrung gedeckt.
Katzen trinken normalerweise nur, wenn Sie sehr durstig sind.
Trockenfutter scheidet daher für unsere Katzen als Ernährungsform aus.

Knochen ist der wichtigste Calcium- und Phosphorlieferant.
Es ist wichtig für den Knochenbau, für das Fell und die Zähne.
Calciummangel, bzw. Phosphorüberschuss führ auf Dauer zum Knochenabbau.
In Knochenmehl befindet sich viel Phosphor, 
reichlich Phosphor ist breits im Fleisch enthalten.
Daher sollte bei der Verwendung von Knochenmehl zusätzlich
ein reines Calciumsupplement, wie z.B. Calciumcarbonat, -citrat,
hinzugefügt werden.
Warnung :
Bei der Fütterung mit Knochen darf man den Knochen jedoch nicht kochen,
garen oder mit der Mikrowelle erhitzen.
Der Knochen wird brüchig, so dass es beim Fressen von gekochtem Knochen
zu inneren Verletzungen kommen kann.
In der heutigen Zeit, wird Geflügel zu schnell hoch gezüchtet,
die kurze Zeit ist für die Knochenbildung nicht ausreichend.
Wenn Knochen verfüttert werden soll, eignen sich Suppenhühner,
da diese Tiere länger leben dürfen und somit sich die Knochen
besser ausbilden können.


Im Blut befindet sich der rote Blutfarbstoff Hämoglobin,
welcher bekanntermaßen Eisen transportiert.
Ebenfalls sind im Blut Salze enthalten.
Salze sind für einen ausgewogenen Elektrolythaushalt notwendig.
Warnung : Zu viel Salz ist jedoch auch nicht gut,
die Katze würde wieder mehr trinken müssen.


Fett ist ein natürlicher Geschmacksverstärker und Geschmacksträger.
Wenig Fett bedeutet, dass Vitamin A, D und E nicht so gut von der Katze aufgenommen werden kann.
Fett liefert Fettsäuren, unter anderem Omega 3 und 6,
welche von Katzen ebenfalls benötigt werden.
Ist das Fleisch nicht fettig genug, wie zum Beispiel
bei Hühner- oder Putenbrustfilet,
ersetzt man das fehlende Fett mit  Schweine- oder Gänseschmalz ( ungewürzt).

Gehirn und Herz sind bei Beutetieren, insbesondere bei einer frischen, selbsterlegten Maus, fantastische Taurinlieferanten.
Taurin ist eine essenzielle Beta-Aminosulfonsäure,
welche Katzen nur in (viel zu) geringen Mengen selber herstellen können.
Katzen benötigen Taurin in viel höheren Mengen, als alle anderen Lebenwesen.
Ein Taurinmangel über einen längeren Zeitraum kann ein Erblinden
oder Herzversagen zur Folge haben.
Taurin ist ebenfalls für die Gehirnentwicklung wichtig.
Ausgeblutete Herzen von Hühnern, Puten, Rindern etc.
enthalten nur noch geringe Mengen an Taurin.
 1g Taurin auf 1kg Fleischhibzufügen, um keine Mangelerscheinungen
zu riskieren.


Leber und andere Innereien enthalten wertvolle Vitamine
und Spurenelemente.
Der Leberanteil des Futters sollte dabei jedoch nicht mehr als 5%
des Gesamtfutters überschreiten.
Vitamin A ist in Leber enthalten und wird wiederum in der Leber der Katze gespeichert.
Warnung : Zu viel Vitamin A ist nicht ungefährlich,
kann bei Überdosierung zu Leberschäden führen.

Proteine sind im Fleisch enthalten, genauso, wie Fett.
Im Gegensatz zum Menschen nutzen Katzen Proteine
statt Kohlenhydrate als Energielieferant.
Ist die Nahrung proteinarm, wird die Katze ihre eigenen Proteinreserven angreifen, was bedeutet, dass sie Muskel abbaut.
Als Proteinquellen dienen Muskelfleisch, Herz und Magen.
 Warnung :  
Finger weg von Dosenfutter mit Zucker und zu vielen Kohlenhydraten!




Vitamine

Vitamin A

Haut, Knochen, Bildung des Fells, Augen und Schleimhäute,
Erhöhung der Abwehrkräfte

Vitamin B

Immunsystemstärkung,  Wachstum,Stoffwechsel, Nervensystem, Haut und Haar, Blutbildung

Vitamin D

Knochen und Zähne

Vitamin E

Fruchtbarkeit, Haut

Mineralien

Calcium und Phosphor
Knochenbau, Zähne, Fell

Eisen
Blutbildung

Kalium,  Magnesium, Natrium
Muskeln, Nerven


Zink
Stoffwechsel, Wachstum und  Entwicklung

Selen, Mangan,  etc. werden ebenfalls von der Katze benötigt.
Jod darf nicht bei Schilddrüsenüberfunktion angewendet werden.

Eierschalen sammeln und mörsern, dann könnenSie  auf Calciumcarbonat
und -citrat verzichten und stattdessen  gemahlene Eierschalen verwenden.
Calciumcarbonat läßt den Harn-pH-wert alkalisch werden,
säuert Calciumcitrat den Harn leicht an.
Eierschalen sind im Endeffekt "natürlich" vorkommendes Calciumcarbonat.

Bei der natürlichen Supplementierung verwendet man Bierhefe, Fortain, Seealgenmehl, Lachs, Weizenkeimöl, Taurin, Schmalz, Salz und Wasser.

Empfehlung : Anibio, Canina Pharma, CdVet, grau, Lillys Futterbar

Warnung :
Keine Supplementierung mit anderen bekannten Fertigpräparaten,
da bei vielen Menadion (Vitamin K3) zugesetzt wird.
Menadion (Vitamin K3) weder deklarationspflichtig ist,
noch gibt es Mengenbegrenzungen.
Vitamin K3 (künstlich und wasserlöslich) ist nicht mit Vitamin K1
(natürlich und fettlöslich) zu verwechseln.
Vitamin K1 ist unbedenklich, Vitamin K3 hingegen nicht!

Im Dosenfutter und Trockenfutter ist Menadion enthalten.
Bei Trockenfutter wird es sogar sehr häufig zugesetzt
Die toxische Wirkung ist unumstritten
(Leberschäden, Schädigung des Erbguts...),
wird in der Tierernährung leider gerne heruntergespielt.




Barfen von Kitten

Ab der 5. Lebenswoche kann man  gewolftes Fleisch anbieten.

Katzenbabys haben einen erhöhten Bedarf an Calcium, Phosphor,
Eisen, Vitamin D und E und an wasserlöslichen Vitaminen
des B-Komplexes etc.

Kitten sollten daher bei einer reinen Fleischfütterung ohne Knochen
mit Knochenmehl zugesetzes Futter erhalten.
Da Knochenmehl viel Phosphor in die Ration bringt,
muss ein Ausgleich mit einem reinen Calciumsupplement geschaffen werden,
wie z.B. gemahlene Eierschalen, Calciumcarbonat oder -citrat.
Ein Calcium/Phosphor-Verhältnis von 1,15 - 1,3 ist anstrebenswert,
um eine gute Knochen, Zahn- und Fellentwicklung zu gewährleisten.
Der Calcium- und Phosphorgesamtgehalt in der Futterration
sollte jedoch nicht zu hoch sein.

Kitten  fressen von Natur aus mehr als adulte Tiere
und kompensieren somit automatisch ihren erhöhten Nährstoffbedarf.

Küken und Mäuse können ab einen Alter von ca. 9 Wochen angeboten werden.

Bis zu einem Alter von 12 Monaten dürfen die Tiere so viel fressen
wie sie wollen.
Maine Coon Katzen ( langsamwachsende Rasse )  bis zum 3. Lebensjahr 
haben  einen erhöhten Nährstoffbedarf.



Barfen bei Trächtigkeit

Ab der 3. Woche der Trächtigkeit sollte die Futterration
langsam erhöht werden, bis die Futtermenge am Ende der Trächtigkeit
ca. 150% der normalen Portion beträgt.
Abhängig von der Wurfgröße benötigt die Katzenmutter
in den ersten 2 Wochen der Säugeperiode das Doppelte an Energie,
in der 4. Säugewoche sogar möglicherweise bis zum vierfachen ihres Bedarfes.
Die Mutter sollte daher täglich viele kleinere Mahlzeiten bekommen.
Ab der 4. Woche werden die Kitten langsam an feste Nahrung gewöhnt,
so dass der Bedarf an Muttermilch sinkt und somit die Futterration der Mutter wieder langsam reduziert werden kann.
In der 10. Lebenswoche sollte die Futterration maximal 150%
des Normalbedarfs der Katze betragen.

Barfen bei Durchfall

Durchfall gehört,  unbedingt in die Hände eines Tierarztes,
zur Ursachenklärung und Behandlung.

Bei Durchfall muss eine Dehydration verhindert werden.
Die Katze muss viel Flüssigkeit, welches mit Elektrolyten angereichert ist, aufnehmen.
Auf 1 Liter Wasser nimmt man 1 Teelöffel Kochsalz und 6 Teelöffel Zucker
und gibt dies dem Tier zu trinken.

1kg Hühnerfleisch  kochen  in wenig Flüssigkeit. Fleisch zerdrücken und mittelgroße Kartoffel unterrühren. Kein Fett, Öl oder Milch verwenden.

Durchfalldiät für 10 Tage ist zu empfehlen.

BARF, Prey Model Raw, Raw and Meaty Bones, Rohfütterung: Eine Positionsbestimmung


Mit freundlicher Genmigung vom 17.02.2016  © Kleintierpraxis Ralph Rückert
www.tierarzt-rueckert.de

09.04.2015

Von Ralph Rückert, Tierarzt


Dafür, dass nur 8 Prozent der Hunde und ein sicher noch deutlich geringerer Anteil der Katzen
in Deutschland mit selbst zusammengestellten Rationen (ob roh oder gekocht) gefüttert werden,
ist das Internet-Getöse um dieses Thema beeindruckend lautstark.
Aus unserer Sicht besonders ärgerlich dabei:
Ständig werden die Tierärzte als die teuflischen Schergen einer auf die gesundheitliche Auslöschung
Ihres Tieres zielenden Futtermittelindustrie dargestellt.
Es nervt!
Deshalb hier eine kurze Klarstellung.

Um gleich nochmal auf diesen Punkt zurückzukommen:
Satte 92 Prozent der Hunde und noch mehr Katzen werden mit Fertigfuttermitteln ernährt!
Warum wohl?
Weil wir Tierärzte alle Tierbesitzer erfolgreich in diesem Sinne hypnotisiert hätten?
Blödsinn!
Das liegt natürlich einzig und allein daran, dass der Verbraucher es so will,
weil es bequem ist und so gut wie keine spezielle Sachkunde voraussetzt.
Wer seinen Hund oder seine Katze roh füttert, sollte sich also immer wieder in Erinnerung rufen, dass er zu einer recht kleinen Minderheit gehört.


So, nachdem das vom Tisch ist:
Ich habe absolut kein Problem damit und bewundere Sie sogar ein Stück weit dafür,
wenn Sie Ihr Tier nach der einen oder anderen Methode roh füttern.
Ich bin also das, was man als „BARF-freundlichen Tierarzt“ bezeichnen kann,
und stehe sogar auf dem Standpunkt, dass ich als Hund höchstwahrscheinlich viel Freude daran hätte,
rohes Fleisch und Knochen zu zernagen.
Es ist gar keine Frage:
Man kann einen Hund oder eine Katze selbstverständlich roh ernähren.


Ich bin auch keineswegs blind gegenüber den Vorteilen einer solchen Ernährungsform.
Als viel mit Zähnen befasster Tierarzt gehe ich fest davon aus,
dass durch Rohfütterung Plaque- und Zahnsteinansatz und die daraus resultierenden
parodontalen Erkrankungen deutlich reduziert werden können.
Auch ist der Gedanke attraktiv, die volle Kontrolle über jede Komponente der Futterration
des vierbeinigen Familienmitglieds zu haben.
Sollte eine Futtermittelallergie oder -unverträglichkeit auftreten - ja,
das gibt es leider auch bei roh gefütterten Tieren - tun sich Barfer
mit der dann eventuell notwendigen Eliminationsdiät um Welten leichter
als die damit oft überforderten Besitzer,
die an Fertigfuttermittel gewöhnt sind.
Und selbstredend kann eine Umstellung auf Rohfütterung bei einem Tier,
das mit Fertigfutter ein wie auch immer geartetes Problem hat, ganz hervorragende Ergebnisse zeitigen.


Bei vielen weiteren Vorteilen, die sich Tierbesitzer von einer Rohfütterung erwarten,
ist bisher allenfalls der Wunsch der Vater des Gedankens.
Es gibt meines Wissens nach wie vor keinen echten wissenschaftlichen Beleg dafür,
dass Rohfütterung der Ernährung mit Fertigfuttermitteln unter gesundheitlichen Gesichtspunkten
langfristig überlegen wäre.
All die vielen persönlichen Äußerungen im Sinne von „Ich barfe und meinen Hunden geht es ganz toll!“
haben allenfalls anekdotischen, aber keinerlei wissenschaftlichen Wert.
Aus eigener Erfahrung in der Praxis kann ich die ganz klare Aussage treffen,
dass die Rohfütterung auf jeden Fall auch kein Garant für immerwährende Gesundheit und ein ewiges Leben ist. Wie oben schon kurz angedeutet:
Wir sehen (ist ja auch logisch!) durchaus Hunde, die trotz langjährigen Barfens
unter genau den Krankheiten leiden, die die Rohfütterung angeblich so effektiv verhindern soll: Futtermittelallergie, chronische Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion oder IBD (Inflammatory Bowel Disease), um nur einige Beispiele zu nennen.


Nach den bisher vorliegenden Untersuchungen sieht es leider rein statistisch
eher schlecht aus für die Rohfütterung, oder genauer gesagt für die Sachkunde der Anwender.
Wenn man die Unmengen von kursierenden Rohfütterungsrezepten mal durch die Computerprogramme
der Ernährungsphysiologen jagt, dann erweisen sich regelmäßig über 90 Prozent
in einem oder mehreren Punkten als grob fehlerhaft.
Die tiermedizinischen Großlabore berichten, dass in den von ihnen angebotenen „BARF-Profilen“
auffallend häufig Abweichungen von den Normwerten ermittelt werden.
Als besonders tückisch erweist sich dabei, dass bestimmte Diätfehler unbemerkt und über lange Zeiträume schädlich wirken.
Zum Beispiel können Fehlversorgungen mit Jod und Selen erst nach Monaten und Jahren
in einer Schilddrüsenerkrankung resultieren.
Wie gesagt:
Da man einen Hund oder eine Katze zweifelsfrei auf diese Weise korrekt ernähren kann,
sind diese Probleme eher mangelnder Sachkunde als dem Fütterungskonzept an sich anzulasten
.
Das bedeutet, dass Sie sich, wollen Sie so füttern, ziemlich viel Mühe geben müssen,
sich das entsprechende Wissen anzueignen, denn sonst mutiert ein an sich schöner Gedanke sehr schnell zu einem Langzeit-Tierversuch mit dem eigenen Vierbeiner.
Nach dem, was wir bis jetzt wissen, scheint es auf jeden Fall nicht ganz so einfach zu sein,
wie einem die verschiedenen selbsternannten Gurus dieser Ernährungsform weismachen wollen.


Außerdem muss man einfach akzeptieren, dass Rohfütterung ein paar zusätzliche Risiken mit sich bringt.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Zahnfrakturen und andere Mundhöhlenverletzungen durch das Verfüttern ungeeigneter (gewichtstragender!) Knochen, Verstopfung durch zu hohen Knochenanteil in der Ration, Botulismus durch unsachgemäßes Auftauen gefrorener Futterrationen in der Vakuumverpackung
und noch einige andere bakteriologische und parasitologische Infektionsrisiken,
sowohl für das Tier selbst als auch für den Besitzer.
Ich muss ja nicht extra betonen, was für einen ungeheuren gesundheitlichen Sicherheitsgewinn wir Menschen uns durch das Kochen unserer Nahrung verschafft haben.
Mit der Rohfütterung des heutzutage extrem eng mit uns zusammenlebenden Tieres
holt man sich ein paar mikrobiologische Leckereien ins Haus,
die wir Menschen für uns selbst schon lange nicht mehr auf dem Schirm haben.


Das klingt jetzt in der Summe recht negativ, deshalb nochmal: Ich finde den Rohfütterungsgedanken
an sich eine gute Sache und bewundere jeden, der bereit ist, sich die entsprechende Mühe zu machen.
Ich kenne mich gut genug aus, um den einen oder anderen Tipp zu geben,
gerade was Fütterungsumstellungen im Krankheitsfall angeht.
Ich bin auch durchaus in der Lage, grobe Diät-Fehler zu erkennen.
Was Sie von mir aber nicht erwarten dürfen,
ist ein von Grund auf konzipierter BARF-Prey-Sonstwas-Fütterungsplan.
Es tut mir leid, aber da fühle ich mich nicht zuständig.
Wenn Sie zum Kinderarzt gehen, und der Ihnen dazu rät,
dass Ihr Kind aus gesundheitlichen Gründen weniger Junkfood und mehr Obst und Gemüse essen sollte,
dann erwarten Sie ja auch nicht, dass er Ihnen gleich noch einen detaillierten Ernährungsplan erstellt.
Dafür müssen Sie sich schon selber schlau machen und zur Not eine(n) Diätberater(in) konsultieren.


Selbstverständlich haben auch wir Tiermediziner solche Experten in unseren Reihen.
Ich kann nur jeden, der sich an der Rohfütterung versuchen möchte, dazu ermutigen,
die Dienste eines Spezialisten in Anspruch zu nehmen.
Diese Leute haben Computerprogramme, mit denen sich präzise ermitteln lässt,
ob bestimmte Fütterungsrezepte so in Ordnung sind oder ob die eine oder andere Änderung notwendig ist,
um langfristige Probleme zu vermeiden.
Das ist eines der wenigen Spezialgebiete, bei dem Fernberatung völlig problemlos funktioniert,
das heißt, Sie können sich da ganz ohne Entfernungsbeschränkungen jemanden raussuchen,
dessen Angebot Ihnen zusagt.
Und ich garantiere, dass eine solche professionelle Überprüfung Ihres Fütterungskonzepts
definitiv kostengünstiger ist als die tiermedizinische Behandlung einer (eventuell chronischen) Erkrankung,
die aus einem Fütterungsfehler entstanden ist.
Und für lau gibt es nur das Geschwätz in den Internet-Foren, wo zwar jeder eine feste Meinung,
aber so gut wie keiner eine echte Ahnung hat.


Also, die Tatsache, dass es dafür Spezialisten gibt, ist der eine Grund,
warum ich mich auf eine echte Fütterungsberatung nicht einlassen werde.
Der andere ist die - ganz allgemein gesehen - geradezu beängstigende Engstirnigkeit und Intoleranz
der Internet-Rohfütterungs-Szene.
Wie schon mit der Artikelüberschrift angedeutet: Einfach „Rohfütterung“ tut's natürlich auf gar keinen Fall,
als Bezeichnung ist das viel zu wenig sexy.
Also muss was Griffigeres her, ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal,
möglichst in Englisch: BARF, Prey Model Raw, Raw and Meaty Bones und was es sonst noch alles gibt.
Und die Anhänger der einzelnen Konzepte sind sich keineswegs grün, nein,
sie gehen wegen kleinster Differenzen in einer Art und Weise aufeinander los,
dass man sogar als neutraler Beobachter buchstäblich zusammenzuckt.
Sich da reinziehen zu lassen, kann für einen Tierarzt nur schiefgehen.
Da gibt man vielleicht besten Glaubens einen Ratschlag,
der zum BARF-Konzept von Kollege Billinghurst passt,
gerät dabei aus Versehen an eine Anhängerin des Prey Models und darf sich dann im Internet
dafür als inkompetent bezeichnen lassen.
Nein, tut mir leid, da halte ich mich einfach raus.


Abschließendes Fazit:
Rohfütterung kann eine artgerechte und für das Tier spannende Ernährung sein,
die eventuell auch gewisse gesundheitliche Vorteile mit sich bringt.
Sie ist aber sicher nicht die sagenhafte „Magic Bullet“ gegen jedes denkbare Leiden,
als die sie oft verkauft wird.
Sie bringt auch ein paar gesundheitliche Risiken mit sich und sie stellt deutlich höhere Anforderungen
an die Sachkunde des Tierhalters als allgemein angenommen.
Zu schweren Fehlern bei der Rohfütterung kommt es hauptsächlich dadurch,
dass Tierbesitzer sich lieber im Internet von anderen Laien halbgaren Unsinn erzählen lassen,
als ein paar Euro für eine ordentliche Rationsberechnung plus Beratung durch einen Spezialisten anzulegen.


Was mir sonst noch zur Ernährung von Hund und Katz eingefallen ist,
können Sie in diesen älteren Artikeln lesen:


Hundefutter Teil 1: Wer ist mein Hund und woher kommt er?


Hundefutter Teil 2: Der Hund ist ein Fleischfresser! Oder doch nicht?


Hundefutter Teil 3: Und nun? Dose? Trocken? Selber kochen? BARF?


Und was ist mit Katzen? Wie ernährt man die richtig?


Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr


Ralph Rückert


Mit freundlicher Genmigung vom 17.02.2016 
© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Bei den Quellen 16, 89077 Ulm / Söflingen

 

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